Stimmlich fit für den Auftritt

Haben Sie am Anfang einer Rede manchmal das Gefühl, einen Kloß im Hals zu haben oder sich räuspern zu müssen? Haben Sie vielleicht mit einer zitternden Stimme zu kämpfen oder mit häufigen Versprechern? Und macht Ihre Stimme insgesamt nicht das, was sie soll?

Jeder Sportler wärmt sich vor einem Wettkampf auf, jeder Sänger singt sich vor einem Konzert ein und so sollte auch jeder Redner seine Stimme bereit machen, bevor er vor das Publikum tritt. Die Analogie zum Sportler ist gar nicht weit hergeholt, denn die Stimmbänder sind Muskeln, die genauso wie andere Muskeln auch trainiert werden sollten.

Ein Warm-up für die Stimme beginnt üblicherweise mit Lockerung und Dehnung und adressiert dann systematisch verschiedene Aspekte, wie z.B. die Atmung, die Artikulation oder den Stimmklang. Ich möchte Ihnen hier drei Übungen vorstellen, die Sie ohne Erfahrung bedenkenlos ausführen können und mit denen Sie, wenn Sie sie regelmäßig machen, Ihren Auftritt stimmlich gut vorbereiten können.

Rekeln, strecken, gähnen

Nehmen Sie einen festen, aber flexiblen Stand ein: Füße hüftbreit mit gutem Bodenkontakt; die Knie sollten etwas Spiel haben, also weder durchgedrückt noch im gebeugtem Zustand 'verriegelt' sein. Rekeln und strecken Sie sich dann und bewegen Sie die Schultern kräftig durch, um die gröbsten Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich zu lockern. Gähnen Sie dann nach Herzenslust. Wenn Sie den hinteren Rachen dabei öffnen, können Sie den Gähnreflex auslösen und wirklich gähnen. Nehmen Sie sanft die Stimme dazu – so wie Sie es morgens nach dem Aufstehen vielleicht tun. Gähnen dehnt und lockert die Stimm-Muskeln und weitet den hinteren Rachenbereich.

Lippenflattern

Flattern Sie anschließend mit den Lippen – so wie kleine Kinder ein Auto nachahmen („brrr“). Lippen und Wangen sollten dabei so locker wie möglich werden, geben Sie also nur so viel Atemdruck, wie nötig ist, die Lippen in Bewegung zu versetzen. Nehmen Sie die Stimme locker dazu und machen Sie eine kleine Stimmrutsche: Variieren Sie die Tonhöhe von unten nach oben und wieder nach unten usw. Bleiben Sie dabei in einer mittleren Lage und werden nicht laut dabei dabei; so wärmen Sie Ihre Stimme langsam auf. Das Lippenflattern lockert den gesamten Stimmapparat, die Stimmrutsche trainiert und wärmt Ihre Stimm-Muskeln auf.

Sprechwerkzeuge aufwärmen

Vor dem Auftritt ist es wichtig, dass Sie auch Ihre Sprechwerkzeuge, also alles, was Sie zum Artikulieren brauchen, bereit machen. Schmatzen Sie laut und bewegen Sie dabei kräftig die Lippen durch. Knicken Sie dann Ihren Zeigefinger und schieben Sie das geknickte Gelenk zwischen die vorderen Schneidezähne. Der Mund ist dadurch so weit geöffnet, wie er das bei der Vokalbildung sein sollte. Sprechen Sie nun die ersten Sätze Ihrer Rede. Versuchen Sie dabei trotz des Hindernisses so sauber wie möglich zu artikulieren. Wenn Sie den Finger wieder herausnehmen, wird Ihnen eine deutliche Artikulation leichter fallen.

Diese Übung stärkt die an der Artikulation beteiligten Muskeln und sorgt für eine weite Mundöffnung – beides notwendig für eine angemessen deutliche Artikulation.

Schon mit diesen drei Übungen sind Sie stimmlich besser aufgestellt, wenn Sie sie regelmäßig vor jedem Auftritt machen. Der Kloß im Hals sollte jetzt weniger ein Problem sein, weil Sie Ihren Kehlkopfbereich gelockert haben. Der Schleim auf den Stimmbändern, der den Räusperzwang ausgelöst hat, ist bei der Stimmrutsche von den Stimmbändern vertrieben worden (es sein denn, Sie haben eine echte Erkältung). Und die geschmeidig gemachten Sprechwerkzeuge helfen Ihnen bei einer stolperfreien Artikulation.

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Ziemlich viel Zeit ist seit dem letzten Artikel vergangen und Redefutter war oft nicht erreichbar. Statt Empfehlungen und Erfahrungen rund ums Reden halten gab es nur den kargen Hinweis "Fehler beim Aufbau einer Datenverbindung". Nachdem unser Provider nun zu einem anderen Anbieter gehört, wurden unsere technischen Probleme innerhalb eines Tages gelöst. Redefutter ist wieder da. Bis bald!

Publiziert am von Julia von Oertzen | Kommentare deaktiviert

Video-Tip: Souveränität und Überzeugungskraft ausstrahlen

Wie können Sie erreichen, daß Sie für Ihr Publikum Überzeugungskraft und Souveränität ausstrahlen? Hier ist ein kurzer Video-Tip für Sie:

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Die Büttenrede

11.11., es ist soweit,
Büttenreden, Fastnachts-, (Karnevals-)zeit.
Darum hat Redefutter mich gebeten,
übers Reimen heute zu reden.
Um hier im Blog korrekt zu bleiben,
ich soll nicht reden, ich soll schreiben.

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Packen Sie Ihr Publikum mit der Captatio Benevolentiae

Captatio Benevolenciae Titel und Abschluss 01

Wollen Sie eine rhetorische Figur lernen, die schon in der Antike eingesetzt wurde? Dann Kompliment – Sie sind an einem guten Ort. Bestimmt können Sie in diesem Blog etwas mitnehmen.

Kürzlich habe ich in Zürich ein Gastreferat anmoderiert. Der Gastredner kam resp. kommt aus dem grossen Kanton, sprich Deutschland. Wie ist er in seine Rede eingestiegen? Eine Frage, die sich zu Beginn einer Rede oder Präsentation immer wieder stellt.

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Reden auf Deutsch als Ire

Vor über 100 Jahren sagte der amerikanische Autor Mark Twain: „Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen.“ Ich bin kein Amerikaner und nicht 100 Jahre alt, aber ich kann das Gefühl durchaus nachvollziehen.

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Der Aufbau einer Argumentation III: Wiederholung

In dieser Serie von Artikeln geht es darum, wie Sie eine Überzeugungsrede strukturieren: wie Sie eine größere Argumentation aus den verschiedenen Einzelargumenten aufbauen können. Nachdem wir im ersten Teil die Auswahl von Argumenten beleuchtet haben, und im zweiten Teil die Reihenfolge, schauen wir uns nun im abschließenden dritten Teil noch Wiederholungen innerhalb von Argumentationen an.

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Der Aufbau einer Argumentation II: Reihenfolge

In dieser Serie von Artikeln geht es darum, wie Sie eine Überzeugungsrede strukturieren: wie Sie eine größere Argumentation aus den verschiedenen Einzelargumente aufbauen können. Nachdem wir im ersten Teil die Auswahl von Argumenten beleuchtet haben, geht es in diesem zweiten Teil um ihre Reihenfolge innerhalb einer Argumentation.

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Der Aufbau einer Argumentation I: Auswahl

Viele Vorträge und Reden haben das Ziel, ein Publikum von etwas zu überzeugen (oder es zu einer bestimmten Handlung zu bewegen). Ein Redner muß in einem solchen Vortrag argumentieren: er muß also Argumente vorbringen.

Die Kunst der Argumentation ist schwieriger, als viele es sich vorstellen. Um gut zu argumentieren muß der Redner zunächst gute (und korrekte) Argumente finden, sie klar und verständlich formulieren, und sie schließlich in den größeren Aufbau seiner Redestruktur gekonnt einfügen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer ‘Argumentation’, und meint damit das Zusammenspiel mehrerer verschiedener Argumente, die sich alle auf das gleiche Argumentationsziel richten.

In dieser Serie von drei Artikeln habe ich für Sie eine Reihe von Tips zusammengestellt, die Sie zum Strukturieren von Argumentationen verwenden können. Alle diese Tips haben sich für mich in meiner langjährigen Praxis des Argumentierens bewährt — vom Philosophie-Seminar bis hin zur Konferenz-Präsentation. Ich gehe nicht im Detail auf das Finden und Formulieren ein, sondern gehe davon aus, daß das schon geschehen ist — und daß Sie sich nun die Aufgabe gestellt haben, Ihre Argumente zu einer größeren Struktur zusammenzufügen. Dieser erste Teil beleuchtet die Auswahl von Argumenten; im zweiten Teil geht es dann um die Reihenfolge, und im dritten Teil um das Wiederholen von Argumenten im Zug einer Argumentation.

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Eine Rede schreibt man fürs Ohr

Dieser Text ist ungeeignet zum Lesen. Er muss vorgelesen werden, besser gesagt: vorgetragen. In diesem Text geht also nicht nur um Rhetorik, dieser Text ist Rhetorik. Vielleicht sind Sie gerade in einem Grossraumbüro oder gar in einer Bibliothek. Da geht das Vorlesen nicht so einfach. Denn sie  können nicht davon ausgehen, dass alle Anwesenden in diesem Augenblick ihrem Vortrag lauschen möchten. Suchen sie sich in diesem Fall einen ruhigen Ort, notfalls gehen sie an ein stilles Örtchen.

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Trauerreden im Rahmen des kirchlichen Beerdigungsdienstes

Unter den vielen Redeformen ist die Trauerrede sicher für viele eine ungewohnte, zumindest aus der Sicht des Redenden. Gehört haben Sie vielleicht schon manch eine Trauerrede, sei es im Krankenhaus, in der Kirche, auf dem Friedhof oder bei einem Bestattungsunternehmen. Für mich aber gehört Trauerreden zu halten zu meinem Beruf als Pastoralreferent. Dabei bin ich nicht nur Redner, sondern auch Seelsorger in allen der Trauerrede vorangehenden und nachfolgenden Situationen. Weiterlesen

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Spannung durch Konflikt: Geschichten konstruieren

Geschichten sind eindrucksvoll, sie bleiben hängen und oft wirken sie noch lange nach. Daher lohnt es sich besonders für uns Redner, Geschichten einzusetzen. Ob ich eine eigene Geschichte entwerfe oder eine bekannte verwende – in jedem Fall muss ich wissen, wie eine Geschichte funktioniert, damit ich sie auch gut erzählen kann.

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Das Beste kommt zum Schluss

Wie lege ich meine Rede an, dass meine Botschaft optimal ankommt? Gibt es eine Strategie, die mir hilft, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu halten? Muss ich wirklich alles akribisch üben? Wie kann ich … Weiterlesen

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Redeziel: Information

Eines der häufigsten Ziele von Reden aller Art besteht darin, den Zuhörern Informationen zu vermitteln. Die Spannbreite von Informationsreden reicht vom Referat eines Studenten an der Uni und dem Fachvortrag einer Expertin bei einer Konferenz bis zur Bilanzrede des Vorstandsvorsitzenden bei der Jahreshauptversammlung eines Dax-Konzerns und zur Haushaltsrede des Bundesfinanzministers vor dem Deutschen Bundestag. Weiterlesen

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Emotionen, Bilder und Glaubwürdigkeit – Zutaten für einen exzellenten Vortrag

Was macht einen exzellenten Vortrag aus? Welche Zutaten benötigt er? Wie schafft es ein Redner, sein Publikum zu begeistern? Fragen, die ich mir als hauptberuflicher Vortragsredner immer wieder auf das Neue stelle. In dem Blogbeitrag möchte ich Ihnen aus meiner Erfahrung ein paar Tipps für einen erfolgreichen Vortrag mit auf den Weg geben. Weiterlesen

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