Das allgemeine und bestimmte Redeziel

Sehr früh wird man bei Toastmasters vor die Aufgabe gestellt für sein Redeprojekt ein allgemeines und ein bestimmtes Ziel zu formulieren. Eine Aufgabe, die zum grundlegenden Handwerkszeug für jede Rede, jede Präsentation und vielleicht auch für Diskussionsbeiträge nützlich und wertvoll ist.

Man unterscheidet zwischen vier allgemeinen Redezielen. Dem Ziel zu informieren, zu überzeugen, zu inspirieren oder zu unterhalten.

Was habe ich davon, wenn ich ein solches allgemeines Redeziel bestimme?

Die Bestimmung eines allgemeinen Redeziels ist wie die Nutzung eines Kompasses. Das Redeziel hilft uns bei der Auswahl von Material und unterstützt bei der Rededramaturgie indem es die Wahl und Lage von Höhepunkten, Wendepunkten und Dramaturgie beeinflusst.

Jeder Redner hat mehr Material, mehr Ideen, was er seinem Publikum sagen möchte, als in der zur Verfügung stehenden Zeit möglich ist. D.h. wir müssen selektieren, wir müssen Schwerpunkte setzen, wir müssen Entscheidungen treffen was wir sagen und wie wir es sagen und das, um ein bestimmtes (Rede-)ziel zu erreichen. Ohne Redeziel ist unsere Materialauswahl zufällig, stimmungsabhängig, und im Gesamtbild der Rede ist oft wenig Konsistenz und Stringenz. Eine Rede kann natürlich nicht zielführend sein, wenn ich mir kein Redeziel überlegt habe.

Angenommen Sie müssen im Kollegenkreis einen kurzen Impulsvortrag halten, um auf eine Herausforderung, eine problematische Situation hinzuweisen. Mit einem informativen Redeziel wird das eher eine sachliche Rede. Mit dem Ziel zu überzeugen rufen Sie zu Handlungen auf, wollen Sie, dass bestimmte Maßnahmen in die Wege geleitet werden.

Die leicht veränderte Zielrichtung hat große Auswirkungen auf Ihren Vortrag. Sie werden Appelle an die Zuhörer richten, z.B. dass es Zeit ist zu handeln, dass etwas getan werden muss.

Daher ist es unabdingbar, sich vor jeder Präsentation, jeder Rede Gedanken über das Redelziel machen! Was ist die Ausrichtung meiner Rede?

Mit dem allgemeinen Redeziel legen Sie die grobe Richtung einer Rede oder Präsentation fest; mit dem spezifischen Redeziel formulieren Sie eine Essenz Ihrer Rede, Ihres Beitrages, die in den Köpfen und Herzen ihrer Zuhörer ankommen soll. Das spezifische Redeziel formuliert, welche Wirkung Sie erzielen wollen, was beim Zuhörer hängenbleiben soll.

Im vorangegangenen Beispiel wurde im Prinzip schon ein spezifisches Redeziel genannt, nämlich das Redeziel „Problembewusstsein schärfen“ oder das Redeziel „ein bestehendes Problem anzupacken“. Beides vor dem Hintergrund einer entweder informierenden oder überzeugenden Rede.

Das spezifische Redeziel formuliert die Minimalanforderung, das was Sie als Minimum erreichen wollen mit Ihrem Redebeitrag. Machen Sie sich dieses Minimalziel bewusst und bauen Sie es als roten Faden in Ihre Rede ein. Wiederholen Sie es immer wieder in veränderten Formulierungen, beleuchten Sie es aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Das spezifische Redeziel ist also eine Konkretisierung und Verfeinerung der allgemeinen Absicht. Beide zusammen helfen Ihnen mehr Wirkung mit Ihrem Vortrag oder Ihrer Präsentation zu erzielen. Helfen Ihnen die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu gewinnen. Helfen Ihnen mit Ihrer Botschaft in Erinnerung zu bleiben.

Über Horst Müller

Horst Müller, Jg. 1960, ist Mind Mapper aus Passion und Profession, Persönlichkeitstrainer (PF) und Autor. 2004 las er bei dem amerikanischen Autor Paul R. Scheele über Toastmasters International und deren Bildungsprogramm. Die Suche nach einem deutschsprachigen Club führte ihn zunächst gelegentlich nach Frankfurt. Seit 2007 ist er im Rhetorikclub Bergstraße aktiv, wo er 2013 die höchste Auszeichnung von Toastmasters, den DTM (Distinguished Toastmaster) Award, erreichte. Von 2010 bis 2012 war er zusätzlich Coach und Mitglied des Heidelberg International Toastmasters Clubs. Als „Der-Sichtbar-Macher“ unterstützt er heute Menschen dabei das, was sie in Herz, Kopf und Körper bewegt, beschäftigt oder beeinträchtigt, auszudrücken.

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