Der Aufbau einer Argumentation II: Reihenfolge

In dieser Serie von Artikeln geht es darum, wie Sie eine Überzeugungsrede strukturieren: wie Sie eine größere Argumentation aus den verschiedenen Einzelargumente aufbauen können. Nachdem wir im ersten Teil die Auswahl von Argumenten beleuchtet haben, geht es in diesem zweiten Teil um ihre Reihenfolge innerhalb einer Argumentation.

Die Reihenfolge von Argumenten

Ein häufig gegebener Hinweis ist dieser: ordnen Sie Ihre Argumente nach der Stärke; beginnen Sie mit dem schwächsten und enden Sie mit dem stärksten! Falls Sie mögliche Einwände in Ihrer Argumentation erwähnen (und natürlich auch entkräften), dann am besten in umgekehrter Reihenfolge: den stärksten zuerst, den schwächsten zuletzt.

Gut und schön, aber was bedeutet: das ‘stärkste’ Argument, oder der ‘stärkste’ Einwand? Um dies wirklich sicher beurteilen zu können, benötigen Sie Techniken aus der Logik und Argumentationstheorie. Doch selbst ohne solche Fertigkeiten können Sie durch gezieltes Nachdenken und mit etwas Intuition gute Kriterien finden.

Beachten Sie dabei vor allem folgendes: gehen Sie nicht davon aus, welches Argument Ihnen am besten gefällt, oder am stärksten einleuchtet. Die Richtschnur sollte Ihr Publikum sein. Überlegen Sie vor allem, wie klar ein Argument Ihrem Publikum ist: werden alle im Publikum verstehen, worum es Ihnen geht? werden sie Ihre Voraussetzungen teilen? und werden alle im Publikum nachvollziehen können, wie Sie von Ihren Voraussetzungen zu Ihrer Schlußfolgerung gekommen sind?

Viele Argumente verfehlen ihr Ziel nicht deswegen, weil sie etwa fehlerhaft wären, sondern einfach deshalb, weil sie im Publikum nicht klar verstanden und nachvollzogen werden können. Und Sie erkennen daran schon, daß es von Publikum zu Publikum verschieden sein kann, was ein gutes Argument ist — und was ein schlechtes wäre.

Denken Sie auch darüber nach, wie Ihr Publikum zusammengesetzt ist. Was ist Ihnen wichtiger: einen größeren Anteil des Publikums zu überzeugen, oder die wenigen Experten, die vielleicht darin sitzen? Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, sollten Sie Ihre Argumente wählen (und ggf. auch fallenlassen) und dann in der Reihenfolge ihrer Stärke anordnen.

Schließlich müssen Sie auch beachten, daß manchmal Argumente voneinander abhängen: manchmal können Sie ein Argument erst vorbringen, wenn ihm schon ein anderes vorausgegangen ist. In solchen Fällen müssen Sie die Reihenfolge der Argumente natürlich so einrichten, daß Argumente, die ein anderes voraussetzen, erst nach diesem vorkommen.

Bedeutet dies, daß Sie auf den Effekt des besseren Haftens im Gedächtnis verzichten müssen? Nicht unbedingt. Nachdem Sie alle Argumente im Detail vorgebracht haben, sollten Sie ohnehin nochmals alle kurz (!) zusammenfassen. Niemand zwingt Sie, in dieser Zusammenfassung die gleiche Reihenfolge einzuhalten wie zuvor. Haben Sie also ein besonders starkes Argument, das Sie allerdings zuerst vortragen müssen (weil die anderen darauf aufbauen), dann können Sie immer noch in der Wiederholung die Reihenfolge umkehren, und Ihr starkes Argument zuletzt erwähnen.

Zusammenfassung

Nochmals in Kürze: die effektivste Reihenfolge von Argumenten ist immer vom schwächsten zum stärksten. Dabei ist die Reihenfolge, wie schon die Auswahl, vom Publikum abhängig: was ein starkes Argument für das eine Publikum ist, kann ein schwaches für ein anderes Publikum sein. Argumente, die aufeinander aufbauen, müssen natürlich entsprechend angeordnet werden — sollten aber bei der späteren Wiederholung der Argumente dann wieder nach ihrer Stärke angeordnet sein.

Das Wiederholen von Argumenten werden wir im noch verbleibenden dritten Teil genauer anschauen. Bleiben Sie dran!

Über Leif Frenzel

Leif ist der Autor eines kürzlich erschienenen Buchs über Formulierungskunst. Er betreibt eine Website zur Fortgeschrittenen Rhetorik, und ist außerdem ein aktiver Toastmaster in den Karlsruher Clubs (ACS, ALB).

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