Dreistufige Strukturen als universelle Redegerüste

Stellen Sie sich vor sie werden in einer Besprechung oder Diskussionsrunde auf einmal nach ihrer Meinung gefragt, die sie zu dem aktuellen Thema haben.

Nun gilt es spontan, mit wenig Vorbereitung seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Für viele Menschen bedeutet diese Situation Stress, richtig Stress. Geht es Ihnen ähnlich?

Wenn ja, könnten die hier vorgestellten dreistufigen Strukturen eine Hilfe für Sie sein.

In der beschriebenen Situation könnten Sie nun zum Beispiel sagen,

  • dass in der Vergangenheit im Unternehmen dieses Problem so und so betrachtet wurde (was noch nicht wirklich Ihrer Meinung entspricht aber sie wiederholen einfach den Sachverhalt und können so auch etwas Zeit gewinnen).
  • Dann gehen Sie dazu über, die Situation in der Gegenwart zu beschreiben, indem Sie einen Teil der vorangegangenen Diskussion nochmal wiederholen, vielleicht eine eigene Sichtweise einbringen oder zumindest die Dinge so wiederholen, dass sie eine individuelle Sichtweise von Ihnen widerspiegelt.
  • Abschließend erzählen Sie dann, dass in der Zukunft das Problem oder die Herausforderung wie folgt zu behandeln ist, und dass Sie der Meinung sind, das wäre eine geeignete Lösung.

Mit diesen drei Schritten „Gegenwart – Vergangenheit – Zukunft“ haben Sie Ihre Meinung strukturiert zum Ausdruck gebracht. Strukturierter Ausdruck ist von den Zuhörern leichter zu verfolgen, leichter nachzuvollziehen. Ihr Vorteil war, dass sie mit dieser Struktur am Anfang etwas Zeit gewinnen konnten um noch mal über ihre eigene Position und Meinung zu dem gerade Diskutierten nachzudenken.

Mit etwas Übung werden Sie solche Situationen nicht mehr wirklich überraschen; Sie sind gewappnet. Sie sind in der Lage ihre Gedanken schnell zu ordnen und in einer nachvollziehbaren, leicht verständlichen Ordnung darzulegen.

Weitere ausgewählte dreistufige Strukturen sind z.B.:

  • Ist – Soll – Weg dahin
  • Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft
  • interessant – negativ – positiv
  • Risiken – Chancen – Pläne
  • die einen – die anderen – wir/ich
  • Theorie – Praxis – Maßnahmen
  • Erwartung – Angebot – Kompromiss

Diese dreistufigen Strukturen eignen sich natürlich auch als Aufbau für Reden. Länge entsteht, indem man die Strukturen miteinander kombiniert. Im vorangegangenen Beispiel waren Einleitung, Hauptteil, Schluss der Meinungsäußerung jeweils einem Element der Struktur zugeordnet:

E 1. Vergangenheit
H 2. Gegenwart
S 3. Zukunft

Alternativ könnten Sie auch mit einer allgemeinen Bemerkung einleiten, die Struktur komplett in den Hauptteil packen und mit einem Fazit aufhören:

E Einleitender Satz
H

1. Vergangenheit

2. Gegenwart

3. Zukunft

S Fazit

Länge erreichen Sie ganz einfach durch die Kombination bzw. Verschachtelung dieser dreistufigen Strukturen.

Wenn Sie z. B die dreistufige Struktur „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“ für den Hauptteil haben, dann ordnen sie ihre Argumente u.ä. aus dem Bereich der Vergangenheit nach der Struktur „die einen – die anderen – wir/ich“. Damit nutzen Sie in einer Dreierstruktur auf einer tieferen Ebene ebenfalls eine Dreierstruktur. Die Tabelle zeigt Ihnen das schematisch:

E Einleitender Satz  
H 1. Vergangenheit
  • die einen
  • die anderen
  • wir/ich
2. Gegenwart
  • Risiken
  • Chancen
  • Pläne
3. Zukunft
  • Ist
  • Soll
  • Weg dahin
S Fazit  

Im Beispiel wurde für jedes Element der Hauptstruktur eine andere Dreierstruktur genommen. Das vermeidet Monotonie, allerdings ist es auch kein Problem, wenn sich eine Dreierstruktur wiederholt.

Abschließend noch zwei besondere dreistufige Strukturen, da sie auf Ergebnissen der Gehirnforschung beruhen.

Die erste Struktur „Stimulanz – Balance – Dominanz“ beruht auf den Untersuchungen von Hans-Georg Häusel (1). Er geht davon aus, dass unser Verhalten von drei limbischen (gefühlsmäßigen) Instruktoren gesteuert wird.

  • Die „Balance“ – Instruktion will „kognitive Unsicherheiten vermeiden“ und strebt daher nach Ausgleich, Harmonie, Stabilität und Routinen. Unter dieser Instruktion strebt man den Zusammenhalt und Schutz einer Gruppe (Familie, Verein, Team) an.
  • Der „Dominanz“-Instruktion geht es darum, etwas zu bewegen. Kraft, Fähigkeiten, Macht einzusetzen bzw. – wie der Name sagt – gegebenenfalls die Situation oder auch andere zu dominieren, z.B. den Konkurrenten zu verdrängen, den eigenen Einflussbereich auszudehnen.
  • „Stimulanz“  ist der Reiz nach Neuem, nach Veränderungen nach Innovationen, ist das Bedürfnis aus Routinen auszubrechen, Langeweile zu vermeiden, wenig mit Routine und festgefahren Dingen zu tun zu haben sondern kreativ, innovativ durchs Leben zu gehen.

Die zweite besondere dreistufige Struktur beruht auf dem Triune Brain Modell von McLean (2). Das Modell besagt, dass es drei grundsätzliche Kommunikationserwartungen gibt: Die Erwartung nach Informationen, nach Nutzen, und Erfahrungen.

Beiden Modellen ist gemeinsam, dass sie davon ausgehen, dass individuelles Verhalten auf einer bestimmten persönlichen Kombination dieser drei Bedürfnisse beruht.

Angenommen Sie interessieren sich für ein Seminar: Je nach persönlicher Präferenz werden sie eher

  • nach Fakten und Details fragen oder
  • Sie fragen was sie davon haben, wenn sie das Seminar besuchen oder
  • Sie erkundigen sich, wie oft es schon durchgeführt wurde (oder wollen vielleicht mit einem ehemaligen Teilnehmer sprechen, um herauszufinden, ob dieses Seminar etwas für Sie sein könnte).

Wenn dem so ist, dass jeder Mensch eine bevorzugte Kommunikationserwartung hat, dann ist es für den Redner unabdingbar bzw. von großem Vorteil, wenn er bei einem unbekannten Publikum recht schnell jedes dieser Kommunikationsbedürfnisse erfüllt. D.h. wenn Sie diese dreistufigen Strukturen zu Beginn von Vorträgen, Reden oder auch in Seminaren einsetzen, können Sie sich sicher sein, dass sie annähernd alle Personen im Publikum erreichen.

Dem ist im Normalfall nicht so, weil wir aus unserem eigenen Kommunikationsbedürfnis heraus Reden halten oder Ansprachen formulieren. Im schlimmsten Fall erreicht man nur etwa ein Drittel der Zuhörer, nämlich genau jene, deren Kommunikationsbedürfnis unserem eigenen entspricht. Die Verwendung dieser Strukturen macht es nun möglich, bewusst, gezielt und zuhörerorientiert alle Kommunikationsbedürfnisse anzusprechen. Womit Sie niemanden aus ihrem Auditorium verlieren, jedem etwas anbieten und die Zuhörer an Ihren Lippen hängen werden.

(1) Häusel, H.-G.: Think Limbic, Haufe, 2005.

(2) Gsell, S.: EQ schlägt IQ, Heimdall, 2008.

Über Horst Müller

Horst Müller, Jg. 1960, ist Mind Mapper aus Passion und Profession, Persönlichkeitstrainer (PF) und Autor. 2004 las er bei dem amerikanischen Autor Paul R. Scheele über Toastmasters International und deren Bildungsprogramm. Die Suche nach einem deutschsprachigen Club führte ihn zunächst gelegentlich nach Frankfurt. Seit 2007 ist er im Rhetorikclub Bergstraße aktiv, wo er 2013 die höchste Auszeichnung von Toastmasters, den DTM (Distinguished Toastmaster) Award, erreichte. Von 2010 bis 2012 war er zusätzlich Coach und Mitglied des Heidelberg International Toastmasters Clubs. Als „Der-Sichtbar-Macher“ unterstützt er heute Menschen dabei das, was sie in Herz, Kopf und Körper bewegt, beschäftigt oder beeinträchtigt, auszudrücken.

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