Redeziel: Information

Eines der häufigsten Ziele von Reden aller Art besteht darin, den Zuhörern Informationen zu vermitteln. Die Spannbreite von Informationsreden reicht vom Referat eines Studenten an der Uni und dem Fachvortrag einer Expertin bei einer Konferenz bis zur Bilanzrede des Vorstandsvorsitzenden bei der Jahreshauptversammlung eines Dax-Konzerns und zur Haushaltsrede des Bundesfinanzministers vor dem Deutschen Bundestag.

Ziele und Risiken von Informationsreden

Das wesentliche Ziel dieser Reden besteht darin, Fakten, Interpretationen und Zusammenhänge zu vermitteln, die für die Zuhörer relevant sind. Dazu ist es für den Redner wichtig zu wissen, wer im Publikum sitzt und was das Publikum bereits zum Thema weiß. Redner befinden sich in einem Zwiespalt: einerseits laufen sie Gefahr, ein Fachpublikum mit Informationen zu langweilen, die allen bekannt sind. Andererseits drohen sie große Teile eines Nicht-Experten-Publikums zu verlieren, wenn sie mit Fachbegriffen und Abkürzungen um sich schmeißen. Sogenannte ZDF-Reden (Zahlen, Daten, Fakten) sind ebenso verbreitet wie beim Publikum gefürchtet wegen der drohenden Langeweile, die sie oft verbreiten.

Die andere Gefahr bei der Informationsrede besteht darin, das Publikum mit zu viel Informationen zu überfordern und zu langweilen. Gerade bei Fachvorträgen sieht man häufig, dass der vortragende Experte Unmengen an Zahlen, Daten, Fakten präsentiert, die das Fassungsvermögen und die Geduld des Publikums strapazieren. Die Aufgabe des Redners besteht also darin, bei der Redevorbereitung so genau wie möglich zu wissen, wer im Publikum sitzt, und welche Informationen für das Publikum wirklich wichtig und von Nutzen sind. Viele Redner schwelgen detailverliebt in Informationen, ohne Rücksicht auf die Informationsbedürfnisse des Publikums zu nehmen.

Selektion der wichtigsten Informationen

Gute Redner machen es umgekehrt. Sie verstehen sich als Dienstleister für das Publikum und machen den Zuhörern die Informationen durch lebendige Präsentation und anschauliche Beispiele schmackhaft. Sie passen Informationsdichte und -tiefe so genau wie möglich an Vorkenntnisse und Bedürfnisse des Publikums an, um den Zuhörern größtmöglichen Informationsnutzen zu geben. Auch wenn es vielen Rednern schwer fällt: Eine gute Informationsrede basiert auf rigoroser Selektion von Informationen. Es gilt die Faustregel: weniger ist mehr. Auch wenn Ihr Thema noch so komplex ist, empfehle ich, drei bis fünf Kernpunkte herauszugreifen und verständlich zu erklären.

Weiter gehende Redeziele

Als Redner sollten Sie sich außerdem bewusst sein, ob Sie mit Ihrer Rede wirklich nur Informationen vermitteln wollen. Reine Informationsvermittlung außerhalb von Schulen ist eher die Ausnahme, und das mit gutem Grund. Informationen sind kein Selbstzweck, sondern sollen helfen, andere weitergehende Ziele zu erreichen. Wenn Sie einen Volkshochschulvortrag zur Gewaltenteilung in der Demokratie halten, möchten Sie zum Beispiel erreichen, dass die Teilnehmer besser verstehen, wie unser Staat funktioniert. Oder wenn Sie in Ihrem Verein den Kassenbericht vortragen, möchten Sie nicht nur ein paar Zahlenkolonnen vermitteln – das ginge auch rein schriftlich, ohne Vortrag. Vielmehr lautet Ihre Botschaft: Seht her, meine Kassenführung war tadellos, bitte entlastet mich und den Vorstand! In vielen Fällen möchten Sie also mit den vermittelten Informationen Einstellung und Handeln Ihrer Zuhörer beeinflussen und nicht nur neutral Wissen vermitteln. Je besser Sie sich über Ihrer tieferen Redeziele im Klaren sind, desto effektiver werden Sie in Ihrer Rede Informationen vermitteln die Ihren Zielen dienen und zugleich Nutzen für das Publikum bieten.

Über Milon Gupta

Milon Gupta arbeitet als Marketingmanager bei einer internationalen Forschungsfirma in Heidelberg. Daneben gibt er sein Wissen zum strategischen Denken und Entscheiden in Seminaren und Vorträgen an andere Führungskräfte weiter. Darüber hinaus informiert er interessierte Bürgerinnen und Bürger bei öffentlichen Rede-Auftritten als Mitglied von Team Europe, dem unabhängigen Redner-Pool der Europäischen Kommission, zu aktuellen EU-Themen. Seit 2001 ist er Mitglied des Heidelberg International Toastmasters Club, dessen Vorsitzender er von 2007 bis 2008 war. In seiner Freizeit spielt er Schach - er trägt den FIDE-Meister-Titel der Weltschachorganisation und hat an drei Europamannschaftsmeisterschaften teilgenommen. Website: http://www.strategicthinking.eu

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